Tag der Alternativen in Neubrandenburg: Tauschen statt kaufen, reparieren statt wegwerfen

Am Samstag, den 10.11.2018, ab 14 Uhr stellen sich unter dem Dach der Hochschule Neubrandenburg diverse Vereine, Initiativen und Gruppen vor. Mit attraktiven Ideen für gemeinschaftliche Freizeitangebote, wie der Kampfsportverein Attitude Sports. Oder Vorschlägen, abseits des herkömmlichen Konsumverhaltens, wie beispielsweise die Frauen vom Tollense Tauschring, die bereits seit Jahren untereinander tauschen, leihen und teilen. Die Mitglieder des Tauschrings treffen sich einmal monatlich zum „Markttag“ persönlich. Alles andere geschieht über virtuelle Konten. Getauscht und gehandelt werden Genstände oder Leistungen: den Hund Gassi führen, selbstgestrickte Socken, Alltagsgegenstände, Nachhilfestunden, Reparaturen. Wenn ein Mitglied eine Leistung erbringt oder einen Gegenstand an jemanden abgibt, aber dafür selbst in diesem Augenblick nichts haben mag, kann sich das Mitglied die Leistung auf sein Konto legen lassen, in dem der Wert in Tollensetaler berechnet wird – die hauseigene Währung des Tauschrings.

Auch der Kampfsportverein Attitude Sports präsentiert sich an diesem Tag und wirbt um neue Mitglieder – Frauen und Männer sind gleichermaßen willkommen. Die derzeit 27 Mitglieder trainieren Wing Chung, Thaiboxen, Selbstverteidigung und andere Kampfkünste. Sie alle bekennen sich zu Toleranz und Weltoffenheit. „Politisch rechts eingestellte Clubs gibt es in unserer Gegend schon zuhauf“, meint Vereinsgründer und Trainer Dennis Schulz. „Kampfsport an sich war schon immer ein internationaler Sport. Bei uns sind alle Menschen willkommen. Unabhängig von Geschlecht Religion und Hautfarbe.“ Eine Einschränkung gäbe es dennoch, fügt Dennis Schulz hinzu: Mitglieder mit rechter Gesinnung seien bei Attitude Sports nicht erwünscht. „Wir sehen uns ganz klar als Kampfsportverein mit einem Bildungsauftrag“, so Dennis Schulz weiter. Laut seinen Aussagen hat die Mitgliedschaft bei Attitude Sports mindestens schon einen jungen Mann vor dem abdriften in die Rechte Szene bewahrt.

Abends liest Anne Schmidt aus ihrem Buch „Leben und arbeiten im Kollektiv“. Dafür hat die Illustratorin aus Rostock in ganz Norddeutschland recherchiert und sich nach alternativen Arbeits- und Lebensformen umgesehen. Das Buch ist ihre Diplomarbeit und die Themenwahl war sehr persönlich, erzählt Anne Schmidt: „Ich konnte mir selbst nicht vorstellen nach dem Studium direkt in eine konventionelle Agentur zu gehen und dort 40 Stunden pro Woche zu arbeiten und damit meine Kreativität quasi an einen Arbeitgeber zu verkaufen.“ Statt sich wie ihre Kommilitonen* innen zu bewerben besuchte sie Kommunen, Lebensgemeinschaften und verschiedene Arbeitsgemeinschaften, die genossenschaftlich organisiert sind. Welche Chancen bieten diese alternativen Formen? Wo gibt es Probleme und wie Lösen die Mitglieder Konflikte? Das sind nur einigen Fragen, die das liebevoll illustrierte Buch in limitierter Auflage beantworten möchte.

Organisiert wird der Tag der Alternativen vom von der BUNDjugend und allen teilnehmenden Vereinen und Initiativen. Diese Veranstaltung ist Teil von Weltwechsel – eine der größten Veranstaltungsreihen in Mecklenburg-Vorpommern, die 2018 zum 18. Mal stattfindet. Weltwechsel wird vom Eine-Welt-Landesnetzwerk koordiniert. Rund 50 Vereine, Initiativen, Stiftungen und Verbände haben über 80 Vorträge, Lesungen, Workshops, Ausstellungen und Theatervorstellungen im gesamten Bundesland organisiert. In diesem Jahr beschäftigen sie sich alle mit Wachstumskritik. Finanziert wird die Reihe von Engagement Global, der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung, der Stiftung Nord-Süd-Brücken, dem Kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche und dem Land Mecklenburg-Vorpommern.