Kaltes Winterwetter lässt Arbeitslosigkeit in der Seenplatte steigen

„Im ersten Monat des Jahres ist die Arbeitslosigkeit in der Mecklenburgischen Seenplatte gestiegen. Für den Anstieg der Arbeitslosigkeit sind rein saisonale Gründe verantwortlich. Wegen des kalten Winterwetters ruht vor allem in den Außenberufen, wie im Bau, in Gärtnereien oder in der Landwirtschaft häufig die Arbeit. Allerdings sind die Vorzeichen für die Zukunft mit über 2.450 offenen Stellen weiter gut“, sagt der Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Thomas Besse, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Überblick

  • Insgesamt 13.452 Arbeitslose: ein Plus zum Vormonat (+1.387), ein Minus zum Januar 2018 (-1.521)
  • Arbeitslosenquote in der Seenplatte 10,2 Prozent
  • Im Vorjahresvergleich: alle Personengruppen – bis auf Jugendliche unter 20-Jahre – profitieren
  • Im Vorjahresvergleich: Langzeitarbeitslosigkeit sinkt um 10 Prozent
  • Im Vorjahresvergleich: weniger Entlassungen und mehr Abmeldungen in Arbeit
  • Knapp 2.500 freie Stellen warten auf Bewerberinnen und Bewerber – kaum Chancen für Ungelernte
  • Arbeitslosigkeit Älterer (50 Jahre und älter) nimmt weiter ab (-10 Prozent gegenüber dem Vorjahr).
  • Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr in allen Regionen in der Seenplatte. Stärkster Rückgang in der Region Malchin (-17 Prozent)

Im Januar waren in der Seenplatte 1.387 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Dezember. Insgesamt 13.452. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,2 Prozent. Im Vergleich zum Januar des Vorjahres 1.521 Arbeitslose weniger.
„Trotz leichten saisonalen Blessuren ist der Arbeitsmarkt robust ins neue Jahr gestartet. So hat die Arbeitslosigkeit zwar zum Jahresbeginn, wie es in den Wintermonaten üblich ist, zugenommen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sich deutlich weniger Menschen arbeitslos melden mussten, als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre (+1.836). Denn die Unternehmen brauchen ihre Beschäftigten – oder wissen, was sie an ihnen haben und entlassen sie auch dann nicht, wenn das Geschäft saisonal bedingt schlechter läuft“, sagt der Agenturchef.

Die jährlichen Höchststände der Arbeitslosigkeit fallen in der Regel in die Wintermonate Januar und Februar. Gründe hierfür sind saisonale Faktoren zum Jahresbeginn: das Winterwetter, das Auslaufen des Weihnachtsgeschäftes im Einzelhandel, der Kündigungstermin für Arbeitsverhältnisse zum Jahresende und das Ende vieler zweieinhalb- und dreieinhalb-jähriger Berufsausbildungen.

Mit 13.452 arbeitslos gemeldeten Frauen und Männern ist die Januar-Arbeitslosigkeit im Seenplattelandkreis so niedrig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Im Gegenzug wächst die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (Ende Juni 2018, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben) weiter auf 94.275 – das Plus zum Vorjahresquartal beläuft sich auf 886 oder 0,9 Prozent.

Die hohe Zahl der offenen Stellen zeigt die große Nachfrage nach Fachkräften. Gefragt sind dabei auch immer neue Qualifikationen, auch bei denen, die schon gut qualifiziert sind. Damit steht für Besse fest: „Wir brauchen neue Ansätze bei Aus- und Weiterbildungen.“ „Wir bleiben auf Kurs. Und die Vorzeichen für die Zukunft sind mit über 2.450 offenen Stellen weiter gut“ ist Besse sicher.

Und mit Blick auf die Entwicklung bei den langzeitarbeitslosen Männern und Frauen sagt der Arbeitsmarktexperte: „Der deutliche Rückgang im Vorjahresvergleich ist noch lange kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Noch immer sind vier von zehn Arbeitslosen hierzulande ein Jahr oder länger arbeitslos. Aber dass wir in diesem Januar über 550 Langzeitarbeitslose weniger registrieren mussten, macht Mut.“ Als Gründe hierfür führt Besse neben den Beschäftigungszuwächsen durch die gute Wirtschaftslage, dem gezielten Einsatz arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen auch demografische Aspekte an.

Besonders erfreut zeigt sich der Agenturchef über die gesunkene Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25-Jahren. Eine Einschränkung macht er allerdings: „Profitiert haben ausschließlich die Jugendlichen mit Berufsabschluss. Ihre Zahl ist innerhalb von fünf Jahren um 72 Prozent (von 784 auf 217) gesunken, die Zahl der Jugendlichen ohne Berufsabschluss ist im gleichen Zeitraum um 14 Prozent (von 913 auf 788) gesunken.“

Zu- und Abgänge

2.021 Männer und Frauen mussten sich im Januar nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes in der Seenplatte neu oder erneut arbeitslos melden. Das sind 29 weniger als im Januar 2018.
608 Arbeitslose konnten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt beenden. Das sind 24 mehr als im Vorjahresmonat.
Damit übersteigen im Januar die Arbeitslosmeldungen aus Beschäftigung (2.021) die Arbeitsaufnahmen (608).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich, allerdings waren bei allen Rückgänge gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen. Die Spanne der Veränderungen reicht im Januar von -11 Prozent bei 25- bis unter 50-Jährigen bis -1 Prozent Ausländern.
Die Arbeitslosenquote der Jüngeren ist binnen Jahresfrist um 0,7 Prozentpunkte gefallen. Damit liegt sie 1,7 Prozentpunkte über der allgemeinen Quote.
Bei den Älteren nimmt die Arbeitslosigkeit weiter ab. Ihre Zahl sank – zum Vorjahr – um 631 oder 10 Prozent auf 5.580. Neben dem demografischen Aspekt zeigt sich, dass Unternehmen deutlich öfter die Potentiale lebenserfahrener Arbeitnehmer schätzen. Die anteilige Arbeitslosenquote Älterer sank von Januar 2018 auf Januar 2019 um 1,1 auf jetzt 10 Prozent. Damit liegt sie 0,2 Prozentpunkte unter der allgemeinen Quote.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III, also bei all denjenigen, die Arbeitslosengeld I erhalten, waren im Januar 4.817 Menschen arbeitslos. 990 mehr als im Vormonat und 460 weniger als im Januar 2018. Das entspricht einem Rückgang von 9 Prozent. *
Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuch II – umgangssprachlich Hartz-IV-Empfänger genannt – lag im Januar bei 8.635 Arbeitslosen. 397 mehr als im Dezember und 1.061 weniger als im Januar 2018. Das entspricht einem Rückgang von 11 Prozent. *
*Seit dem 1. Januar 2017 werden die sogenannten „Aufstocker“ (Parallelbezieher von ALG und ALG II) vermittlerisch durch die Arbeitsagenturen betreut und deshalb künftig im Rechtskreis SGB III als arbeitslos gezählt (zuvor: im SGB II). Das muss bei der Interpretation von Vergleichen mit davorliegenden Zeiträumen berücksichtigt werden.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Im Januar konnten 4.071 Männer und Frauen mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen unterstützt werden. Darunter 969 Menschen, denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert wurde. 890 wurden in beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Insgesamt 34 Förderungen mehr als vor einem Jahr. 293 Männer und Frauen befinden sich in Arbeitsgelegenheiten, den so genannten Ein-Euro-Jobs.
Die Unterbeschäftigung zeichnet ein realistischeres Bild von der Verfassung des Arbeitsmarktes. Dabei werden neben Arbeitslosen auch Teilnehmer in Maßnahmen, Weiterbildungen und arbeitsunfähig Erkrankte erfasst. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im Januar bei 16.914, das waren 2.158 oder 11 Prozent weniger als im Januar 2018. Damit sank die Unterbeschäftigungsquote um 1,4 Prozentpunkte. Ohne den Entlastungseffekt der arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumente läge die Zahl der Arbeitslosen – ausgewiesen durch die so genannte „Unterbeschäftigung“ – um 3.462 höher und die Arbeitslosenquote bei 12,4 Prozent.

Fast 2.500 offene Stellen

Aktuell gibt es 2.470 offene Stellen. Bis zur Monatsmitte (Januar) kamen über 750 (756) neue Stellen dazu. Besonders gesucht werden Arbeitskräfte in Callcentern und der Zeitarbeit, im Gesundheit- und Sozialwesen sowie im verarbeiteten Gewerbe. Es folgen Berufe im Baugewerbe, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und im Gastgewerbe.
Unternehmen in der Seenplatte, die noch keinen festen Ansprechpartner haben, erreichen den Arbeitgeberservice telefonisch unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer: 0800 4 5555 20.

Der Arbeitsmarkt in den Dienststellen des Agenturbezirks

Im Agenturbezirk Neubrandenburg entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Januar relativ einheitlich. In allen Regionen war im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Rückgang zu verzeichnen. Am günstigsten war die Veränderung der Arbeitslosigkeit in Malchin; dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 17 Prozent. Dem gegenüber steht die Entwicklung in Neubrandenburg mit einer Abnahme von 5 Prozent.
Ausländerarbeitslosigkeit:
Insgesamt sind 830 Ausländer arbeitslos gemeldet. Das sind 11 weniger als im Januar des Vorjahres. Jeder zweite (61 Prozent) arbeitslos gemeldete Ausländer lässt sich auf die Flüchtlingseffekte aus den sogenannten außereuropäischen Asylzugangsländern* zurückführen.
Derzeit sind Arbeitslosenquoten für Ausländer aufgrund der starken Zuwanderung verzerrt. Sie werden deshalb unterhalb der Bundesländerebene nicht ausgewiesen. Bis auf weiteres werden betroffene Werte daher nicht angezeigt bzw. insgesamt betroffene Zeilen oder Spalten ausgeblendet.
*Das Aggregat beinhaltet die 8 nichteuropäischen Herkunftsländer, deren Bürger/-innen in den letzten Jahren die meisten Asylerstanträge gestellt haben. Es umfasst folgende Länder: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.

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