Arbeitsmarkt im November: Arbeitslosigkeit steigt saisonbedingt

„Der Arbeitsmarkt hat im November saisonbedingt an Schwung verloren. Parallel zur weiterhin guten konjunkturellen Entwicklung hat die Zahl der Arbeitslosen im laufenden Monat zugenommen – weniger als normalerweise in einem November. Und: Noch nie zuvor war die Arbeitslosigkeit in einem November niedriger“, sagt der Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Thomas Besse, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Seenplatte im Überblick

  • Insgesamt 10.719 Arbeitslose: ein Minus von 913 im Vergleich zum November 2018
  • Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 8,1 Prozent
  • Rückgang der Arbeitslosigkeit (Vormonat) in den Jobcentern – saisontypischer Anstieg in der Arbeitsagentur
  • 2.535 freie Arbeitsstellen
  • Mit 6,5 Prozent niedrigste Arbeitslosenquote in Röbel – Höchste mit 11,3 Prozent in Demmin
  • Stärkster Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Vormonat in Röbel (+11 Prozent)
  • Bundesweite Woche der Menschen mit Behinderung vom 02.12. bis 06.12.2019

Im November waren in der Seenplatte 305 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Oktober. Insgesamt 10.719. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent. Im Vergleich zum November des Vorjahres 913 Arbeitslose weniger.

Für den Agenturchef sind es im Wesentlichen zwei Gründe, die die Zahl der Arbeitslosen zum Oktober steigen lassen haben: mehr Entlassungen und weniger Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit in Arbeit.

„Dass im November die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat steigen wird, haben wir erwartet. Das ist zum Jahresende in unserer Region üblich. In diesem Jahr lag sie allerdings mit 305 Frauen und Männern deutlich unter dem dreijährigen Mittel von knapp 500 (497). Diese Entwicklung entspricht auch unseren allgemeinen Beobachtungen: Die Unternehmen beschreiben ihre Geschäftslage weit überwiegend mit gut.

Auch sind die Absatzerwartungen der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten trotz der Geschäftsrisiken weiterhin positiv. Aber: Auch das saisonale Weihnachtsgeschäft wird nicht verhindern können, dass über die Wintermonate die Arbeitslosigkeit vorübergehend ansteigen wird“, sagte Thomas Besse.

So sehr die Lichtblicke am Arbeitsmarkt beeindrucken: Herausforderungen bleiben.

„Denn trotz der leicht positiven Tendenz im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit mahnen uns die immer noch mehr als 4.000 Menschen (4.304), die anhaltend keine Beschäftigung finden, unseren Einsatz für diese Gruppe deutlich zu verstärken. Und immer deutlicher wird auch: Die Fachkräfteengpässe nehmen zu. Mehr Stellen bleiben länger unbesetzt. Der Aufbau von Beschäftigung findet maßgeblich im qualifizierten Bereich und in Berufen mit hohen Anforderungen statt“, sagt Besse.

Saisonbedingt nachlassende Dynamik

Insgesamt übersteigen im November die Arbeitslosmeldungen aus Beschäftigung (1.229) die Arbeitsaufnahmen (579). Neben deutlich weniger Arbeitsabmeldungen, was saisontypisch ist, zeigt sich auch, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht durch den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen abgefedert werden konnte. So ist die Zahl der Menschen, die an arbeitsmarktpolitischen Programmen teilnehmen, zum Vormonat gestiegen und zum Vorjahr gesunken. Dazu gehören beispielweise Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung, Beschäftigung schaffende Maßnahmen sowie Maßnahmen zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit.

Bundesweite Woche der Menschen mit Behinderung vom 02.12. bis 06.12.2019

In der Aktionswoche setzen die Arbeitsagentur und Jobcenter im Landkreis auf fundierte Beratung durch besonders geschulte Fachkräfte. Diese beraten Personalentscheider und unterstützen sie dabei, wie zum Beispiel Arbeitsplätze an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Handicap angepasst werden können, unterstützen den Betrieb bei der Organisation und zeigen letztlich finanzielle Fördermöglichkeiten auf.

„Gerade für Menschen mit Behinderung hat der Arbeitsmarkt im Landkreis noch Entwicklungspotential. 9,4 Prozent der Arbeitslosen im November haben eine Schwerbehinderung, das sind 1.008 Menschen. Zwei Drittel dieser Menschen sind gut ausgebildete Fachkräfte. Hier möchten wir Arbeitgeber überzeugen, noch mehr auf die Qualifikation zu achten und nicht mögliche Defizite durch die Behinderung in den Fokus zu stellen. Gleiche Chancen in der Arbeitswelt sind mein erklärtes Ziel – auch im Hinblick auf den Fachkräfteengpass in einigen Branchen. Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, auf das Potential dieser Menschen zu verzichten“, so Besse.

Infos zu Unterstützungsleistungen für Arbeitgeber gibt der Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter unter der kostenlosen Rufnummer 0800 4 5555 20.

Zu- und Abgänge

Im November meldeten sich 2.462 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, das waren 465 weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig beendeten 2.141 Personen ihre Arbeitslosigkeit, 318 weniger als im November 2018. Seit Jahresbeginn gab es 27.056 Zugänge von Arbeitslosen, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das eine Abnahme von 1.019 Meldungen. Dem gegenüber stehen 28.340 Abmeldungen von Arbeitslosen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das eine Abnahme von 1.748 Abmeldungen.

Im November meldeten sich 1.229 zuvor erwerbstätige Personen arbeitslos, 67 weniger als vor einem Jahr. Durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit konnten in diesem Monat 579 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 131 weniger als vor einem Jahr.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich. Die Spanne der Veränderungen reicht im November von -10,8% bei 25–50jährigen und bis +0,7% bei den unter 25jährigen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III, also bei all denjenigen, die Arbeitslosengeld I erhalten, waren im November 3.341 Menschen arbeitslos. 423 mehr als im Vormonat und 103 weniger als im November 2018. Das entspricht einem Rückgang von 3,0 Prozent. *

Die Zahl der arbeitslosen Bezieher von Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuch II – umgangssprachlich Hartz-IV-Empfänger genannt – lag im November bei 7.378 Personen. 118 weniger als im Oktober und 810 weniger als im November 2018. Das entspricht einem Rückgang von 9,9 Prozent.*

*Seit dem 1. Januar 2017 werden die sogenannten „Aufstocker“ (Parallelbezieher von ALG I und ALG II) vermittlerisch durch die Arbeitsagenturen betreut und deshalb künftig im Rechtskreis SGB III als arbeitslos gezählt (zuvor: im SGB II). Das muss bei der Interpretation von Vergleichen mit davorliegenden Zeiträumen berücksichtigt werden.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Im November konnten 4.416 Männer und Frauen mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen unterstützt werden. Darunter 1.253 Menschen, denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert wurde. 868 wurden in beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Insgesamt 219 Förderungen weniger als vor einem Jahr.

Ohne den Entlastungseffekt der arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumente läge die Zahl der Arbeitslosen – ausgewiesen durch die so genannte „Unterbeschäftigung“ – um 3.628 höher und die Arbeitslosenquote bei 10,6 Prozent.

Geldleistungen

Insgesamt 3.018 Personen erhielten im November 2019 Arbeitslosengeld, 68 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im November bei 16.373. Gegenüber November 2018 war dies ein Rückgang von 2.173 Personen.

Gemeldete Arbeitsstellen

Auf hohem Niveau bewegt sich weiterhin die Zahl der gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Stellen. Insgesamt haben die Betriebe seit Jahresbeginn unserem Arbeitgeberservice-Team von Arbeitsagentur und Jobcentern im Landkreis 9.042 sozialversicherungspflichtige Arbeitsangebote gemeldet. Insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie bei den unternehmensnahen Dienstleistungen und im Gastgewerbe bestehen Einstiegschancen.
Die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen liegt im November bei 2.535. Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet dies ein Anstieg von 156 oder 6,6 Prozent.
Die größte Nachfrage gab es im November aus den Bereichen: Zeitarbeit (633 freie Stellen im Bestand), Gesundheits- und Sozialwesen (289), im verarbeitenden Gewerbe (316), im Baugewerbe (297), sowie Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (270).
Unternehmen in der Seenplatte, die noch keinen festen Ansprechpartner haben, erreichen den Arbeitgeberservice telefonisch unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer: 0800 4 5555 20.

Der Arbeitsmarkt in den Dienststellen des Agenturbezirks

Im Agenturbezirk Neubrandenburg entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im November relativ einheitlich. In allen Regionen war im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Rückgang zu verzeichnen. Am günstigsten war die Veränderung der Arbeitslosigkeit in Altentreptow; dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 19,6 Prozent. Dem gegenüber steht die Entwicklung in Demmin mit einer Abnahme von 2,6 Prozent.

Ausländerarbeitslosigkeit

Im November waren in der Seenplatte 697 Ausländer (-81) zum Vorjahresmonat arbeitslos gemeldet. Jeder zweite (60 Prozent) arbeitslos gemeldete Ausländer lässt sich auf die Flüchtlingseffekte aus den sogenannten außereuropäischen Asylzugangsländern* zurückführen.
Derzeit sind Arbeitslosenquoten für Ausländer aufgrund der starken Zuwanderung verzerrt. Sie werden deshalb unterhalb der Bundesländerebene nicht ausgewiesen. Bis auf weiteres werden betroffene Werte daher nicht angezeigt („X“) bzw. insgesamt betroffene Zeilen oder Spalten ausgeblendet.

*Das Aggregat beinhaltet die 8 nichteuropäischen Herkunftsländer, deren Bürger/-innen in den letzten Jahren die meisten Asylerstanträge gestellt haben. Es umfasst folgende Länder: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.