Vielfalt – Mehr als ein einfaches Wort für eine demokratische Gesellschaft

Der Jugendbeirat Neustrelitz nimmt die Erinnerung an die damaligen Ereignisse zum Anlass und organisiert gemeinsam mit der Partnerschaft für Demokratie Neustrelitz im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ einen Tag zur Erinnerung an die Deportation von Sinti und Roma vom Bahnhof Neustrelitz nach Auschwitz im Jahr 1943. In Kooperation mit Neustrelitzer Schulen werden diejenigen Orte aufgesucht, die letzte Anhaltspunkte sind, um zu erfahren, was mit den mecklenburgischen und Strelitzer Sinti und Roma 1943 passiert ist. Ziel ist es, über den Wert von gesellschaftlicher Vielfalt und Toleranz und über die Bedeutung demokratischer, gesellschaftlicher Strukturen nachzudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Am 15. März 1943 erreichte ein Deportationszug mit ca. 250 Sinti und Roma aus dem Hamburger Raum und 210 Sinti aus Mecklenburg das Konzentrationslager Auschwitz. Darunter waren besonders viele Kinder unter 14 Jahren – vier von ihnen aus dem damaligen katholischen Kinderheim in Neustrelitz. Bereits im Vorfeld der Deportation wurden Sinti aus der Region in die Landesanstalt Altstrelitz und in das Gefängnis Neustrelitz gebracht und inhaftiert, bevor sie wahrscheinlich am 13. März 1943 am Bahnhof Neustrelitz in den Deportationszug verladen wurden. An diese Ereignisse wollen wir uns 76 Jahre später erinnern und die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte, dass Nachbarn zur Zeit der NS-Diktatur von heute auf morgen verschwanden und der Begriff von „Vielfalt“ in der Gesellschaft und in der Lebensweise der Menschen keinen Wert hatte.

Zu gedenken und sich mit der regionalen Geschichte zu befassen steht jedem Menschen zu. Deshalb wollen wir allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern am Mittwoch, 13. März 2019 im Rahmen von drei öffentlichen Veranstaltungen die Möglichkeit geben, Anteil zu nehmen.

  • Der erste Treffpunkt ist der Neustrelitzer Bahnhof. Um 12:30 Uhr beteiligen sich Schülerinnen und Schüler der Jawaharlal Nehru Schule mit Musik- und Textbeiträgen an der ersten öffentlichen Veranstaltung an diesem Tag.
  • Am Nachmittag findet um 16:00 Uhr die zweite Veranstaltung im Kinder- und Jugendhaus St. Elisabeth statt. Es werden ein Kranz, gestiftet vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, und weiße Rosen an der Gedenktafel des Hauses niederlegt; im Anschluss erfolgt ein Vortrag über die „Verfolgung von „Zigeunern“ in Mecklenburg 1933-1943“.
  • Am Abend findet schließlich um 19:30 Uhr in der Alten Kachelofenfabrik, Kino 2, ein öffentlicher Gedankenaustausch zu folgenden Themen statt: Wie wollen die Bürgerinnen und Bürger in Neustrelitz künftig mit Erinnerung umgehen? Welche Ansätze für eine Gedenkkultur gibt es in Neustrelitz? Wie können demokratische Werte, wie gesellschaftliche Vielfalt und Toleranz, heute gestärkt und unterstützt werden? Zur Einführung in die Thematik wird es einen Impulsvortrag über die Situation von Sinti und Roma zur Zeit des Dritten Reiches geben, der auch Bezug auf die heutige Zeit nimmt.

Gedenkveranstaltung für die Opfer des KZ Ravensbrück

Wie in jedem Jahr führt der Kreisvorstand Neubrandenburg/Mecklenburg-Strelitz des Demokratischen Frauenbundes e. V. anlässlich des Internationalen Frauentages eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des KZ Ravensbrück in Neubrandenburg am Frauenehrenmal in der Neubrandenburger Oststadt (Zufahrt über den Mühlendamm Neubrandenburg ) am 8. März, 10:00 Uhr, durch. Dazu sind alle Interessenten recht herzlich einladen.

Die Gedenkrede hält in diesem Jahr Brigitte Triems, die Bundesvorsitzende des Demokratischen Frauenbundes e. V. Gelesen wird aus der Dokumentation des dfb e. V. „Wo es nichts zu weinen gibt“. Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung können Blumen niedergelegt werden.

Gedenken an die lesbischen Frauen im FrauenKZ Ravensbrück/Neubrandenburg

Das Netzwerk queerNB wird am internationalen Frauentag (8. März) den im Konzentrationslager Ravensbrück/Neubrandenburg internierten lesbischen Frauen gedenken. Dazu ist die Teilnahme und Kranzniederlegung an der vom Demokratischen Frauenbund e. V. (dfb) veranstalteten Gedenkveranstaltung für die Opfer des KZ Ravensbrück Neubrandenburg am Frauenehrenmal in der Neubrandenburger Oststadt geplant. Bei der um 10 Uhr beginnenden Veranstaltung wird Brigitte Triems, die dfb-Bundesvorsitzende, eine Gedenkrede halten. Zudem wird aus der dfb-Dokumentation „Wo es nichts zu weinen gibt“ gelesen.

Die Erinnerung an die im Konzentrationslager Ravensbrück internierten Lesben ist seit Jahrzehnten höchst umstritten. In den 1980er Jahre versuchte erstmals die Ost-Berliner Gruppe „Lesben in der Kirche“ in der „Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück“ an die lesbischen Opfer zu erinnern. Dabei wurden die Frauen teilweise bereits bei ihrer Anreise am Bahnhof Fürstenberg durch Polizisten abgefangen und stundenlang verhört. Später wurden niedergelegte Kränze vernichtet und Einträge in das Gedenkbuch entfernt. Bis heute gibt es in Ravensbrück keine würdige Form des Gedenkens an die lesbischen Opfer. Erst im Oktober 2018 scheiterte der Vorschlag, eine Gedenkkugel für die ermordeten lesbischen Frauen zu installieren.

Historikerinnen betonen, dass homosexuelle Frauen zwar anders als homosexuelle Männer von den Nazis zwar nicht aufgrund des Strafgesetzbuch-Paragrafen 175 verfolgt wurden, aber ihr Lesbisch-Sein ein Faktor war, der dazu beitragen konnte, im Konzentrationslager zu landen. Dort trugen Lesben nicht den Rosa-Winkel, sondern wurden u. a. mit einem schwarzen Winkel als „Asoziale“ gekennzeichnet. Diese Unsichtbarkeit führt bis heute zu einer Marginalisierung dieser Gefangengruppe in der Erinnerungskultur.

Ein Tag des Gedenkens

Mit der Plastik „Die Trauernde“ in der 2. Ringstraße bleiben die unzähligen Frauen, die in Konzentrationslagern ermordet wurden oder die als Zwangsarbeiterinnen an Entkräftung und Krankheiten starben unvergessen. Auf Initiati­ve der Kurt und Herma Römer Stiftung (Hamburg), des Fürsten­berger Fördervereins Ravensbrück, der Landtagspräsidentin M-V und des Demokratischen Frauenbun­des (Kreisverband Neubranden­burg) wurde die Plastik gestiftet und am 17. April 2015 enthüllt.

Am Montag, 28. Januar, soll sie in das Eigentum der Stadt Neubrandenburg übergehen. Um 13 Uhr erfolgt die feierliche Über­gabe am Gedenkort in der 2. Ringstraße an der Stadtmauer neben dem Regionalmuseum.

Eine Stunde später findet die Eröff­nung der Ausstellung „Die tapfe­ren Frauen aus Neubrandenburg“ im Stadtarchiv statt. Die Ausstel­lung wurde von dem Ur-Enkel der polnischen KZ-Häftlingsfrau Ma­ria Ratajczak konzipiert. Maria Ra­tajczak war Arbeiterin in der Rüs­tungsindustrie der Mechanischen Werkstätten und verstarb dort am 14. April 1945.

In einer Abendveranstaltung stellt Dr. Johannes Schwartz zum Thema „Weibliche Angelegenheiten“ Aus­züge aus seiner Dissertation über weibliche KZ-Häftlinge in Neu­brandenburg und Ravensbrück vor. Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr im Studienbereich des Stadtarchivs.

Interessenten sind zu allen Veranstaltungen eingeladen.

Gedenkfeiern für verstorbene Kinder und Geschwister in MV

Alljährlich am Abend des zweiten Sonntags im Dezember um 19 Uhr stellen Menschen rund um die Welt eine brennende Kerze ins Fenster. Sie gedenken so ihrer verstorbenen Kinder und Geschwister. „Durch das Entzünden der Kerzen wandert eine Lichtwelle einmal um die Welt zum Zeichen dafür, dass das Licht der Kinder, die unser Leben erleuchtet und gewärmt haben, weiter scheint und sich ausbreitet“, sagt die Greifswalder Klinikseelsorgerin Pastorin Brita Bartels.

In Mecklenburg-Vorpommern finden an dem Wochenende oder in dessen Umfeld mehrere Gedenkfeiern statt. Betroffene Eltern und Angehörige sind dazu herzlich von den Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorgern sowie den Kliniken vor Ort eingeladen. Ebenso sind Menschen willkommen, die in ihrem Beruf mit dem Tod kleiner Kinder konfrontiert sind. In ihrer tiefen, lebenslangen Trauer können Eltern, Großeltern, Familien und Freunde Nähe, Unterstützung und Gemeinschaft erfahren.

In Neubrandenburg laden die evangelische Krankenhausseelsorge und ein ökumenisches Team ebenfalls am 9. Dezember um 17 Uhr in die St. Johanniskirche herzlich ein. „Wir wollen uns gemeinsam Zeit nehmen, uns dieser Kinder zu erinnern. Denn da wo wir sind, die wir leben, da sind auch sie, die verstorbenen Kinder“, sagt Pastorin Anke Leisner.

Trauerfeiern am Totensonntag auf dem Neuen Friedhof

Zu Ehren aller Verstorbenen lädt die Stadt Neubrandenburg am Totensonntag, 25. November, zu öffentlichen Trauerfeiern auf dem Neuen Friedhof in der Oststadt ein.

Um 11 Uhr wird eine weltliche Trauerfeier in der Trauerhalle durch das Bestattungshaus Salomon ausgerichtet. Doreen Salomon wird als Rednerin die Veranstaltung unter musikalischer Begleitung gestalten.

Um 14 Uhr findet eine ökumenische Andacht zum Totensonntag/Ewigkeitssonntag in der Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof statt. Die Gedenkandacht der christlichen Kirchen Neubrandenburgs hält Pastor Jörg Albrecht.

Musiker der Neubrandenburger Philharmonie begleiten die Veranstaltung.

Alle, die ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten gedenken möchten, sind herzlich zu den Trauerfeiern eingeladen.

Volkstrauertag: Gedenkveranstaltungen an mehreren Orten

Den Kriegstoten und den Opfern von Gewaltherrschaft wird anlässlich des Volkstrauertages an mehreren Orten in Neubrandenburg gedacht. Die Vorbereitungen dafür sind abgeschlossen. Im Vorfeld gab es einen gemeinsamen Pflegeeinsatz mit Unterstützung der Bundeswehr auf dem Lazarettfriedhof (städtische Kriegsgräberanlage). Ab 2019 hat die Bundeswehr den Lazarettfriedhof als Patenschaftsprojekt übernommen und leistet Unterstützung bei der Pflege.

Die Stadt hat außerdem durch den Reservistenverband Neubrandenburg auch in diesem Jahr Unterstützung zur Pflege der Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof Weitin bekommen. Der Reservistenverband Neubrandenburg hat die Patenschaft dafür übernommen.

Veranstaltungen zum Volkstrauertag:

  • Samstag, 17. November, 14 Uhr, Gedenken Friedhof Weitin mit Bundeswehr, Pastor Bernhard Hecker und Wolfgang Hartmann, Geschäftsführer Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)
  • Sonntag, 18. November, 9 Uhr, Gedenken Lazarettfriedhof mit der Bundeswehr
  • Sonntag, 18. November, 11 Uhr, Totengedenken am Neuen Friedhof, am Hochkreuz (Soldatenfriedhof), am Gedenkstein der Heimatvertriebenen und am Soldatenfriedhof der Roten Armee
  • Sonntag, 18. November, 14 Uhr Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen, offizielle Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der Stadt Neubrandenburg und der Bundeswehr. Die Gedenkansprachen vor der Kranzniederlegung halten Oberbürgermeister Silvio Witt und Oberst Andreas Durst.

Am 20. November beginnt um 12 Uhr auf dem Markt die Sammlung für die Kriegsgräberpflege zum Auftakt mit der Bundeswehr und Oberbürgermeister Silvio Witt.