Pogromnacht vor 80 Jahren: Gedenken am Neuen Tor

Im Gedenken an die Pogromnacht von 1938 findet am Freitag, 9. November, um 16 Uhr am Neuen Tor (innenstadtseitig) die Gedenkveranstaltung der Stadt Neubrandenburg statt.

Wegen verkehrstechnischer Gegebenheiten in der Poststraße muss in diesem Jahr der Veranstaltungsort verlegt werden. In unmittelbarer Nähe zum Neuen Tor befindet sich der Stolperstein von Else Kallmann, die in der Neutorstraße 34 wohnte. Insgesamt gibt es fünf dieser Stolpersteine in der Stadt, die im Rahmen des gleichnamigen Kunstprojekts von Gunter Demnig in Neubrandenburg verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Neubrandenburg lebten und wirkten.

Oberbürgermeister Silvio Witt und Stadtpräsidentin Irina Parlow laden die Einwohner der Stadt Neubrandenburg ein, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen und gemeinsam mit Vertretern der Fraktionen der Stadtvertretung und der Stadtverwaltung der jüdischen Opfer zu gedenken. Der Oberbürgermeister wird die Gedenkrede halten und gemeinsam mit der stellvertretenden Stadtpräsidentin ein Blumengebinde niederlegen. Die kulturelle Umrahmung erfolgt im Rahmen des Projektes „Zeitlupe“.

Vor 70 Jahren wurden die Lager in Fünfeichen geschlossen

Fünfeichen in Neubrandenburg – dieser Ort steht für unendliches Leid in den Jahren 1939 bis 1948. Mehr als 120.000 Kriegsgefangene aus elf Ländern durchliefen bis Kriegsende das Stalag IIA, das Oflag IIE sowie das Oflag 67. Mehr als 6.000 von ihnen starben an Hunger, Krankheit, Kälte und Misshandlung. In der Zeit von 1945 bis 1948 wurden im Speziallager Nr. 9 des Geheimdienstes NKWD mehr als 15.000 deutsche Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder, zum größten Teil unschuldig, durch die sowjetische Besatzungsmacht eingesperrt. Fast 5.000 Häftlinge überlebten nicht und wurden in Massengräbern im Wald verscharrt. Bis September 1948 sind rund 5.000 Insassen des Speziallagers entlassen worden, 2.600 weitere wurden in das Speziallager Nr. 2 in Buchenwald transportiert.
Aus diesem Anlass findet am 1. September 2018 in der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages der Schließung aller Lager an diesem Ort statt (Beginn 10.00 Uhr). Ein Höhepunkt der Veranstaltung ist die Übergabe des neu gestalteten gestützten Holzkreuzes als weithin bekanntes Symbol der Gedenkstätte. Zu diesem Tag werden auch neue Tafeln mit Namen von weiteren verstorbenen Kriegsgefangenen verschiedener Nationen installiert, die zwischenzeitlich durch das Stadtarchiv recherchiert worden sind. Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) wird an diesem Tag die Gedenkrede halten. Es sind unter anderem die 16 Botschafter der Nationen eingeladen, aus denen Kriegsgefangene in Fünfeichen begraben sind sowie die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen, die die Opfer des NKWD-Speziallagers repräsentieren.